KI & Facilitation
„Whatever the problem – KI is the answer.“ – Really?
Insights zum Facilitator Lernforum 2026 und mehr
Das diesjährige Facilitator-Lernforum in Oberursel brachte 175 Menschen zusammen – und eine erstaunliche Spannbreite an Reaktionen auf Künstliche Intelligenz (KI). Von „Ich habe in den Abgrund der Hölle geschaut“ und „die KI macht bei mir maximal die Steuer!“ bis „In Kürze co-facilitiere ich mit einem humanoiden Roboter.“
Es gab eine Voice-Agentin, die im Vorfeld Teilnehmende interviewte, eine Bandbreite an Anwendungsfällen, KI-Auswertung von Aussagen in der Großgruppe und Kleingruppen, Best Practice Sharing, Aufstellungen, eine Fishbowl mit KI-Agentin uvm.
Besonders wertvoll waren die tiefergehenden Gespräche mit Teilnehmenden und spannende Open Space Sessions am zweiten Tag. Zwei tolle Kolleg*innen, die ich am ersten Tag erst kennengelernt hatte, haben mich sogar bewogen zusammen eine Session anzubieten. Entstanden ist das…
…co-kreative „Zukunftslabor der NI*-Agenten“ – eine „bewegte und bewegende“ Erkundungsreise in eine radikal positive Zukunft.
Viele ah und oh Momente und ein Ausspruch, der hängen bleibt: „wir tappen im Hellen“.
Zwischen Effizienz und Emergenz
Mir ist noch einmal klar geworden, wie wichtig es ist bei all dem Hype und dem Möglichen immer wieder die Kernfrage zu stellen: wat soll dä Quatsch?
Oder für die Nicht-Rheinländer: Start with Why!
Nicht nur: Was ist möglich? Sondern: Warum und wozu setzen wir es ein?
Eine spannende Beobachtung: Gerade in Großgruppen können wir mit KI noch schneller zu Ergebnissen kommen. Eine große Anzahl an Einzelstimmen lässt sich leicht zusammenfassen und auswerten. Muster werden sichtbar, Entscheidungsvorlagen automatisch abgeleitet. Klasse!
Die Frage, WARUM wir überhaupt so viele Menschen zusammenbringen, um gemeinsam an etwas zu arbeiten oder Entscheidungen zu treffen, lädt dazu einen zweiten Blick ein:
- sind die Ergebnisse möglicherweise horoskopartig so glatt, dass alle irgendwie zustimmen können?
- überspringen wir im Zweifel, das, was im Prozess wesentlich, aber oft unangenehm ist? Divergenz, Perspektivenvielfalt, Ambiguität, Reibung
Ja, das braucht Zeit. Aber genau dort wächst Beziehung und ein gemeinsames Verständnis. Meist entstehen auch erst damit Lösungen, die nicht aus alten Mustern gespeist sind, sondern aus einem echten Austausch im Zwischenraum. Generativ. Wo noch nicht klar ist, was wird.
Wo 1 + 1 plötzlich mehr als 2 ist. Und Entscheidungen am Ende eine ganz andere Tragkraft gewinnen. Wenn KI nicht Ziel, sondern Mittel wird, eröffnen sich viele Möglichkeitsfelder. Ein paar der Fragen, zu denen ich in verschiedenen Kontexten experimentiere:
Wo kann KI uns wirklich unterstützen…
- …durch Effizienz FreiRaum zu schaffen, innehalten zu können, um die wirklich wichtigen Fragen zu stellen und Themen anzugehen, statt nur schneller zu re-agieren? (Wie verändert sich der Sinn von Arbeit, wenn KI große Teile übernimmt? Wie wollen wir Freiräume sinnvoll nutzen? Was bedeutet Wohlbefinden – für alle – in diesem Kontext?)
- …wieder mehr in Verbindung zu kommen – mit uns selbst, miteinander, mit Natur? (Ideation, Konzeption draußen? KI & Voice machen richtig viel möglich)
- …Muster zu erkennen, blinde Flecken sichtbar zu machen und andere Perspektiven einzunehmen? („Welche ganz neuen Denkrichtungen tun sich auf? Welche wichtigen Fragen haben wir nicht gestellt?“)
- …Stimmen an den Tisch zu holen, die aus organisatorischen, technischen oder finanziellen Gründen sonst fehlen? (Was passiert, wenn wir z. B. die Stimme der Natur in unternehmerische Entscheidungen einbeziehen?)
- …Kritik aussprechbar zu machen (#Narrenfreiheit der Maschine) und so Offenheit und Lernfähigkeit zu stärken? (Mit der klaren Gefahr, dass das Gegenteil passiert, wenn Verantwortung an die KI abgegeben wird.)
Was fällt dir spontan ein?
Wenn du auch Lust hast mit diesen Fragen und ganz konkreter Anwendung in Gruppenkontexten weiter zu experimentieren, freue ich mich von dir zu hören!
KI kann uns vieles abnehmen. Sie kann uns jedoch nicht davon entlasten, Entscheidungen zu treffen oder Verantwortung für Beziehungen, Spannungen und Konsequenzen zu übernehmen. Sie trifft keine moralischen Entscheidungen. Sie verstärkt das, was wir vorleben, zulassen oder stillschweigend akzeptieren.
Welche Haltungen, Muster und Werte wollen wir nähren – in uns, im Miteinander und im Umgang mit der Welt?
What if staying human is the most radical thing we can do?
Und dann ist es vielleicht doch eher:
„Whatever the problem – COMMUNITY is the answer“
Margaret Wheatley
*NI-Agenten = Natürliche Intelligenz Agenten


